Der VAR raubt uns die Freude am Fussball

20.8.26

Mit Beginn der Bundesligasaison 2017/2018 wurde der Video Assistant Referee im deutschen Fußball mit dem Ziel eingeführt, klare und offensichtliche Fehlentscheidungen zu korrigieren und den Fußball gerechter zu machen. Selbst Fans, die der Neuerung anfangs noch offen und positiv gegenüberstanden, konstatieren nach mittlerweile 9 Jahren, dass der VAR den Charakter des Spiels grundlegend verändert hat.

Während der Fußball von Intensität und Rhythmus lebt, leidet der Spielfluss erheblich unter den sich in die Länge ziehenden Unterbrechungen. Wir müssen ebenfalls schmerzlich feststellen, dass er den emotionalsten Moment des Spiels zerstört hat. Statt spontaner Freude bei einem Tor herrscht Unsicherheit ob einer möglichen Überprüfung. Dabei bleiben Entscheidungen aufgrund unterschiedlicher Eingriffsschwellen, uneinheitlichen Auslegungen oder menschlichen Fehlern weiterhin umstritten. Die Hoffnung bei Einführung auf eine objektive Gerechtigkeit hat sich nicht erfüllt, vielmehr schafft der Videoassistent neue Ungerechtigkeiten.

Die These, es gäbe mit dem VAR weniger Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen, stellte sich als Trugschluss heraus. Es gibt jetzt noch mehr. Trotz einer Vielzahl an Reparatur- und Optimierungsversuchen wird der Videoassistent mittlerweile von einem Großteil der Fußballfans abgelehnt und trifft im Stadion auf immer mehr Wut und Unverständnis. Dass der Fußball nie fehlerfrei war und es auch nicht sein muss, ist eine Erkenntnis, die wir in den letzten Jahren gewonnen haben. Wir möchten die objektiv messbaren Erfolge des VAR dabei nicht in Abrede stellen. Wir möchten vielmehr darauf aufmerksam machen, dass der Preis für den objektiven Nutzen zu hoch ist. Einen Preis, den wir nicht länger bereit sind zu bezahlen.

"Eure Spielchen mit Reformen - nicht mit uns"

28.6.26

Jahrelang wurde von Transparenz, Dialog und einer gemeinsamen Reform der Regionalligen gesprochen. Vereine investierten Zeit, Energie und Vertrauen in einen eigens initiierten Prozess, der endlich zu einer fairen und tragfähigen Lösung führen sollte. In dieser Form in seiner Ausgestaltung und Professionalität beispiellos im europäischen Fußball.

Nun - kurz vor der finalen Abstimmung der Vereine - zeigt sich, was die Verlautbarungen der Regionalverbände tatsächlich wert sind. Sie gipfeln in einer Situation, die uns als Fans der betroffenen, aber auch der aktuell und perspektivisch nicht betroffenen Vereine noch wütender macht. Nicht nur kritischen Fans wird jetzt endgültig klar, dass die Verbände nicht im Sinne ihrer Mitgliedsvereine agieren, sondern ganz eigene Ziele verfolgen. Was FIFA und Co. auf der großen Bühne vormachen, spielen die Regionalverbände nach.

Der erste Kritikpunkt: Aus dem gemeinsam erarbeiteten Kompassmodell mit vier 20er-Staffeln sollen plötzlich 18er-Staffeln werden. Dabei waren die zusätzlichen Heimspiele einer der größten sportlichen und wirtschaftlichen Vorteile des Modells. Wer diesen zentralen Baustein wenige Tage vor der Abstimmung streicht, entwertet nicht nur monatelange Arbeit – sondern nimmt den Vereinen einen entscheidenden Mehrwert, den sie längst in ihre Überlegungen einbezogen hatten.

Der zweite Kritikpunkt: Eine bundesweite Mehrheit der Vereine - basierend auf dem monatelangem Austausch und Bewerten von Argumenten - soll nun nicht mehr ausreichen. Stattdessen soll jede der fünf Regionen eine eigene interne Mehrheit erreichen, um Zustimmung geben zu können. Aus einem demokratischen Mehrheitsprinzip einer bundesweiten Thematik wird damit faktisch ein Vetorecht einzelner Verbände. Wer Mehrheiten aushebelt, stärkt keine Demokratie – sondern zementiert bestehende, ungerechtfertigte und ebenso reformbedürftige Machtverhältnisse.

Noch schwerer wiegt jedoch die Art und Weise. Ausgerechnet in dem Moment, in dem sich Vereine bundesweit zusammengeschlossen, vernetzt und erstmals mit einer gemeinsamen Stimme für eine Reform eingesetzt haben, werden kurz vor der Abstimmung die Spielregeln verändert. Das wirkt nicht wie der Versuch, einen besseren Kompromiss zu finden. Es entsteht vielmehr der Eindruck, dass genau diese Geschlossenheit unterlaufen werden soll. Wer monatelang Beteiligung einfordert, um anschließend im entscheidenden Moment hinter den Kulissen die Grundlagen zu verändern, verspielt jedes Vertrauen in einen fairen Prozess.

Der Widerstand ist die logische Konsequenz. Nicht nur von den unmittelbar betroffenen Fans, sondern von allen, denen an einem glaubwürdigen und basisorientierten Fußball gelegen ist. Wer heute schweigt und diesen miesen Schachzug akzeptiert, der billigt gleichzeitig, dass Verbände ihre eigenen Machtinteressen über die Interessen der Vereine stellen. Diese Form der Verbandsarbeit hat den Fußball lange genug ausgebremst. Es ist Zeit, ihr entschlossen entgegenzutreten und deutlich zu machen: Reformen müssen von den Vereinen getragen werden – nicht gegen sie.

Wir rufen die Vereinsvertreter dazu auf, mit Geschlossenheit und breiter Brust aufzutreten und die anstehende Abstimmung unter diesen Umständen nicht durchzuführen.

Die Verbände dürfen sich sicher sein, dass es keinen Weg mehr an einer grundhaften Veränderung ihrer Ausrichtung und Politik vorbei gibt. Wir werden nicht locker lassen - ihr habt es nicht anders verdient.

Fanszenen Deutschlands im Juni 2026